Motivate yourself – Selbstmotivation im Homeoffice

Experteninterview: Sandra Dundler verrät uns wissenswerte Tipps wie die Motivation im Homeoffice angekurbelt werden kann.

Wer von Zuhause arbeitet läuft Gefahr in den Homeoffice-Blues zu fallen. Schnell lässt man sich ablenken und die nötige Motivation fehlt, um den Arbeitstag zu meistern. Motivation und vor allem auch die Selbstmotivation spielen für die Arbeit im Homeoffice eine tragende Rolle. Sandra Dundler ist Geschäftsführerin der LOA Live Online Academy und professionalisiert auf ihrer Mission digitales Arbeiten und Lernen und gestaltet dieses richtungsweisend mit. Wir haben mit Sandra Dundler im Interview über Selbstmotivation im Homeoffice gesprochen:

JustHomeoffice: Frau Dundler, weshalb ist Motivation gerade bei der Arbeit im Homeoffice besonders wichtig?

Sandra Dundler: Wir verbringen sehr viel Lebenszeit im beruflichen Kontext. Deswegen nehmen auch soziale Interaktionen einen großen Stellenwert am Arbeitsplatz ein. Wenn Menschen ein Unternehmen verlassen, so verlassen sie in Wirklichkeit oft die Kollegen oder den Chef/die Chefin. Viele Studien belegen das. Das motivierende Umfeld steht somit im Zusammenhang mit unserer Arbeitsleistung. Ist unser Umfeld physisch auf die eigenen 4 Wände beschränkt, so reduzieren sich auch zwangsläufig die sozialen Kontakte – immer wieder hört man von „Isolation“ oder „Vereinsamung“ im Homeoffice.

Problematisch ist, dass die wenigsten einfach den Schalter umlegen können und im Homeoffice genauso arbeiten (können) wie im Bürogebäude am Standort. Um sich selbst motivieren zu können, brauchen Mitarbeiter ein hohes Maß an Selbstorganisation und im Idealfall ein möglichst störungsfreies Umfeld. Auch die eigenen Stärken haben viel damit zu tun, wie gut uns die Eigenmotivation im  Homeoffice gelingt. Und Motivation ist der Schlüssel zur Zielerreichung und zur psychischen Gesundheit (nicht nur) im Homeoffice.

Was sind die größten Produktivitäts- und Motivationsbremsen im Homeoffice?

Aus meiner Erfahrung heraus haben technische Ausstattung und digitale Reife des Unternehmens, aber auch des Mitarbeiters einen hohen Einfluss auf Produktivität und Motivation. Immer noch treffe ich Mitarbeiter:innen an, die mühsam am Küchentisch an einem Laptop arbeiten, wenn sie im Homeoffice sind. Neben der mühsamen Bedienbarkeit wirkt das fehlende vernünftige Equipment (größerer Bildschirm, Tastatur, ergonomischer Arbeitsplatz, …) hemmend auf die Motivation. Kommt noch eine schlechte Internetverbindung dazu, braucht die Mitarbeiterin für Vorgänge, die am Firmenstandort 5 Minuten dauern nun vielleicht 15.

Das andere große Thema ist die Software und deren Nutzung. Was steht zur Verfügung, um vernünftige Informationsstrukturen aufzubauen? Wie gut sind die Mitarbeiter für den Einsatz der Programme geschult? Ganz pragmatische Fragen. Was häufig vergessen wird, sind die Absprachen und Spielregeln im Team. Andere Abläufe erfordern neue Absprachen. Wer informiert wie (Medium, Taktung) worüber? Wo stehen wir mit Blick auf unsere Zielerreichung? Wo bekomme ich Unterstützung, was muss abgestimmt werden? Unsicherheiten und Unklarheiten führen zu Missverständnissen. Und die werden im virtuellen Miteinander oft viel zu spät erkannt.

Wie kann man selbst seine eigene Motivation während des Arbeitstages beeinflussen?

Alles Einstellungssache? Abhängig davon, welche persönlichen Stärken dominant sind, verhalten wir uns unterschiedlich. Außerdem bestimmen Stärken was wir brauchen, um motiviert und mit Elan in der „Isolation“ des Homeoffice an Aufgaben heranzugehen und die Motivation über den Tag hinweg hochzuhalten. Wenn ich den sozialen Austausch brauche, dann hilft es mir nicht weiter, frustriert darauf zu warten, dass jemand am anderen Ende der Internetverbindung merkt, dass ich gerade Gesprächsbedarf habe. Das heißt ich bin selbst dafür verantwortlich den Kollegen oder die Chefin auch proaktiv zu kontaktieren. Mir das zu holen, was ich brauche, um gut arbeiten zu können.

Wenn ich ein Mensch bin, der gerne ungestört an Themen arbeitet und meine Motivation aus meinen eigenen Fortschritten ziehe, dann ist es hilfreich im Team klar zu kommunizieren, wann ich deswegen ggfs. nicht erreichbar bin und wann man mich gerne ansprechen kann. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, den Bedürfnissen, den eigenen Stärken, hat aus eigener Erfahrung großen Einfluss auf die eigene Motivation.

Was sind die größten Fehler, die man als Arbeitnehmer im Homeoffice machen kann?

Dementsprechend ist es aus meiner Sicht der größte Fehler, Situationen und Emotionen als gegeben hinzunehmen. Sich zurückzuziehen in ein Schneckenhaus und darauf zu hoffen, dass einem ein anderer aus dem Team helfen wird. Proaktiv und lösungsorientiert die Kommunikation suchen. Das ist ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Zusammenarbeit im Homeoffice.

Gibt es ein Patentrezept für konzentriertes Arbeiten im Homeoffice?

Nein. Es gibt allgemein hilfreich Tipps, aber da die persönlichen Stärken eine große Rolle spielen, hilft nicht alles jedem gleichermaßen.

Inwiefern kann eine Tagesstruktur die Motivation im Homeoffice anregen?

Wenn wir das Haus verlassen, um ins Büro zu fahren, dann folgen wir automatisch einer Routine, die uns eine Struktur und somit Halt gibt. Wir ziehen uns bewusst an und bereiten uns mental auf die Herausforderungen des Tages vor. Das entfällt leicht, wenn unser Arbeitsweg sich auf den Wechsel vom Schlafzimmer über das Badezimmer zum Arbeitsplatz beschränkt. Wir gehen fließend vom Privaten zum Beruflichen über. Die Grenzen verschwimmen. Manchen Menschen fällt es im Homeoffice deutlich schwerer auch einmal abzuschalten und die Arbeit hinter sich zu lassen. Deshalb ist es von Vorteil, sich genauso klare Arbeitszeiten zu planen und bewusst den Tag abzuschließen.

Erholungsphasen sind wichtig für die Gesundheit und das Auftanken der Motivation. Da die Anzahl der virtuellen Meetings deutlich angestiegen ist, fällt es oft schwerer sich aufstapelnde Aufgaben dazwischen abzuarbeiten und gegen Ende des Arbeitstages steigt das Stresslevel, weil noch so viel zu tun ist. Dem kann man nur vorbeugen, indem man sich einen guten Wochen- und Tagesplan schafft, der an den Zielen orientiert ist. Außerdem tut es der Motivation ungemein gut, wenn Aufgaben abgehakt werden können. Hilfreich für die eigene Motivation ist es, am Ende des Tages den nächsten zu planen und die Erfolge des  vergangenen Arbeitstages zu würdigen.

Was können Führungskräfte für ihre Mitarbeiter tun, um sie bei der Arbeit im Homeoffice zu unterstützen und zu motivieren?

Sich Mühe geben und Perspektivenwechsel anregen

Virtuell neigen wir dazu gleich zum Punkt zu kommen. Der soziale Schmierstoff der Kommunikation – Smalltalk oder die klassischen Höflichkeitsfloskeln – gehen leicht verloren.  Besonders in der schriftlichen Zusammenarbeit. Rhetorische Besonderheiten wie z. B. Ironie oder auch der Einsatz von Emojis macht digital Schwierigkeiten. Das Deuten der Botschaft ist nicht immer so einfach. Virtuelle Kommunikation funktioniert dann gut, wenn ich mir genau überlege, wie die Botschaft beim Gegenüber ankommen könnte. Vielleicht macht es auch Sinn, eher zum Telefonhörer zu greifen statt einer Mail oder einer Nachricht im Gruppenchat. Und auch die virtuelle Kommunikation im Team immer wieder zum Thema zu machen und zu sensibilisieren.

Strukturen schaffen und effektives Zusammenarbeiten ermöglichen

Tools für den Austausch bereitstellen. Hier eignen sich Collaboration-Tools für synchrone und asynchrone Zusammenarbeit. An einem zentralen Ort müssen alle Dokumente und Informationen für alle jederzeit abrufbar und auffindbar sein. Ebenso wie gemeinsame oder gut gepflegte Kalender, um Erreichbarkeiten und Abwesenheiten zu visualisieren. Doch das Tool allein hilft nicht. Alles muss mit gemeinsam festgelegten Regelungen versehen sein. Elemente aus dem agilen Arbeiten können ebenso hilfreich sein. Ein Beispiel ist das Daily Stand-Up. Zur vereinbarten Zeit treffen sich alle Teammitglieder virtuell im Meetingraum. 15 Minuten für Stimmung, Tagesziele, besondere Herausforderungen und wichtige Infos, Unterstützungsbedarf. Kurz, knackig, prägnant.

Ziele und Zielerreichung visualisieren

Was ist unsere Rolle im Unternehmen? Warum gibt es uns? Was tragen wir bei? Diese Fragen sind elementar für die Motivation in einem Team. Wichtig deshalb: Die Vision/strategische Ausrichtung und die konkreten Ziele des eigenen Bereiches für alle transparent machen.  und den kollektiven Fortschritt auf dem Weg zu Zielerreichung visualisieren.

Zusammen Arbeitsziele definieren

In den meisten Unternehmen existieren wirtschaftliche Kennzahlen. Oft wird eine wichtige Dimension vergessen: Woran macht das Team den Erfolg fest? Woran merkt jede:r Einzelne im Team, dass er/sie einen wichtigen Beitrag leistet? Durch die räumliche Entfernung zum Unternehmen ist der eigene Beitrag noch viel weniger greif- und sichtbar. Eine Idee: 3 – 4 hilfreiche Teamkennzahlen definieren, die regelmäßig bewertet und besprochen werden. Ein paar Beispiele:

  • Ich habe das Gefühl, alle wichtigen Informationen für meine Arbeit zu haben
  • Ich erreiche meine Wochenziele
  • Ich fühle mich im Team gesehen
  • Wir halten uns an unsere Spielregeln
  • Wir haben heute schon zusammen gelacht
  • Ich bekomme regelmäßig konstruktives Feedback
  • Wir unterstützen uns im Team gegenseitig

Die persönliche Begegnung ermöglichen/fördern

Raum für die Menschen im Team schaffen. Bewährt haben sich ungezwungene Kaffee-Meet-ups oder Teamlunches: Jeder der zur vereinbarten Zeit kann, kommt mit einer Tasse Tee/Kaffee oder einem Snack ins Meeting. Wichtige Regel: Keine inhaltlichen Diskussionen, keine Agenda. Es geht einzig um den sozialen Austausch, das gemeinsame Lachen. Der Raum für Persönliches.  

Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation

Die Führungskraft sollte sicherstellen, dass sie einen regelmäßigen Kontakt zu allen Teammitgliedern pflegt und ein Gespür dafür bekommt, wo die Menschen stehen. Kommunikation ist der Dreh- und Angelpunkt, wenn alle im Homeoffice sitzen.

Was sind Ihre persönlichen Tipps und Tricks für eine bessere Selbstmotivation im Homeoffice?

  • Schaffen Sie sich eine Wohlfühlatmosphäre am HomeOffice Arbeitsplatz
  • Reduzieren Sie Ablenkungen durch Medien, Haushaltsmitglieder, …
  • Kleiden Sie sich bewusst für den Arbeitstag
  • Planen Sie die Ziele der Woche und den Arbeitstag
  • Geben Sie Ihrem Arbeitstag eine klare Begrenzung, Feierabend ist wichtig
  • Planen Sie auch störungsfreies Arbeiten ein – sprechen Sie diese Zeiten im Team ab
  • Suchen Sie aktiv Kontakt zu den Kolleg:innen und der Führungskraft
  • Planen Sie Pausen ein – machen Sie auch Bewegungs- und Frischluftpausen
  • Belohnen Sie sich selbst für erreichte Ziele

Sandra Dundler

LOA Live Online Academy GmbH

Inhaberin und Geschäftsführerin
Onlinecoach, Teamentwicklerin, Expertin für Remote Work und Digital Leadership
www.liveonlineacademy.de

Über LOA Live Online Academy GmbH

Die LOA Live Online Academy GmbH hat das Ziel, digitales Lernen und Arbeiten professionell mitzugestalten und virtuelle Möglichkeiten mit Leben zu füllen. Wir bieten Raum für Menschen, die sich für die VUCA Welt fit machen und ihre Kompetenzen umfassend erweitern möchten. Live Online Lernen bedeutet für uns Austausch und Mitmachen.

Hinterlasse einen Kommentar