Eine Expertin vom KOFA über das Trendthema Homeoffice – Interview

Experteninterview: Mit Sarah Pierenkemper

Im Interview mit Sarah Pierenkemper vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) holen wir uns die Meinung der Expertin über die aktuelle Entwicklung zum Trendthema Homeoffice ein. Unter anderem erfahren wir, wie Fachkräfte aus dem Ausland mit dem Homeoffice zurechtkommen und auch wie man die mentale Gesundheit im Homeoffice stärkt.

JustHomeoffice: Wie beurteilt das KOFA die aktuellen Entwicklungen am Arbeitsmarkt zum Trend Homeoffice?

Sarah Pierenkemper: Grundsätzlich begrüßen wir mehr Flexibilität und Autonomie seitens der Beschäftigten. Die Flexibilisierung von Arbeitsort- uns Arbeitszeit wird für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunehmend bedeutender. Freiheit in der Arbeitszeit- und Arbeitsortwahl zählen zu den wichtigsten Kriterien für die Auswahl eines Arbeitsplatzes. Und gerade in Zeiten des Infektionsschutzes entspricht die Arbeit von zu Hause dem Wunsch und dem Bedürfnis vieler Beschäftigten.

Wie sieht es bei Internationalen Fachkräften beim Thema Homeoffice aus? Sind die eher bereit dazu, im Homeoffice zu arbeiten?

Auch internationale Fachkräfte profitieren von der gestiegenen Flexibilität durch die Arbeit von zuhause. Aber gerade für Personen, die neu nach Deutschland gezogen sind, besteht die Gefahr im Homeoffice zu vereinsamen. Sie verfügen oftmals über keine oder nur sehr wenige gefestigten sozialen Strukturen vor Ort. Hier gilt es gerade seitens der Führungskraft ein besonderes Augenmerk darauf zu legen zum Beispiel durch regelmäßige Kontakte und die Einbindung in soziale Events. Eine Möglichkeit ist auch Mentoren oder Tandems zu benennen, die regelmäßig den Kontakt suchen und einer sozialen Vereinsamung vorbeugen. Tipps, wie Sie internationale Fachkräfte in Ihr Unternehmen integrieren können, finden Sie auch auf unserer Webseite.

Wie hat man sich beim KOFA selbst an die Entwicklungen angepasst? Arbeiten nun mehr Leute im Homeoffice als vor der Pandemie?

Ja. Gerade durch die aktuelle epidemische Lage arbeiten viele von uns momentan von aus dem Homeoffice.  Jedoch bestand im KOFA auch schon vor Corona-Pandemie die Möglichkeit zumindest zeitweise von zu Hause aus zu arbeiten. Die hierdurch gewonnene Flexibilität ermöglicht gerade Kolleginnen in Teilzeitbeschäftigung ihre Arbeitszeit zu erhöhen.

Wie kann die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz im Homeoffice gewährleistet werden?

Der wichtigste Punkt an dieser Stelle ist, aufeinander achtzugeben und Verständnis füreinander zu haben. Gerade in der aktuellen Corona Situation haben viele Beschäftigte besondere Herausforderungen, zum Beispiel im familiären Umfeld, zu bewältigen. Für Führungskräfte ist es wichtig regelmäßig Kontakt zu den Mitarbeitenden zu halten und so auch über Probleme und aktuelle Herausforderungen informiert zu bleiben und bei Auftreten von Problemen flexible Lösungen zu finden.

Außerdem hilft der regelmäßige Kontakt im Team. Die Arbeit im Homeoffice verändert die Kommunikation. Im Homeoffice fallen die informellen Gespräche und der kurze Plausch an der Kaffeemaschine weg – und somit auch manche sozialen Bindungen. Daher ist es sinnvoll, genügend Raum für den informellen Austausch untereinander zu schaffen. Video- und Telefonkonferenzen können den fehlenden direkten Kontakt zumindest teilweise ersetzen. Noch persönlicher sind beispielsweise virtuelle Kaffeerunden, bei denen alle Mitarbeiter in ihren Teams zusammenkommen.

Als letzter Punkt ist hier die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit zu nennen, die im Homeoffice leicht verwischen kann. Arbeitszeitregel gelten am heimischen Schreibtisch genauso, wie im Unternehmen. Gerade zu Hause ist es wichtig Pausenzeiten zu planen und auch einzuhalten und nicht in eine Dauererreichbarkeit zu verfallen. Führungskräfte sollten hierbei mit gutem Vorbild voran gehen.

Wer mehr zum Thema mentale Gesundheit wissen möchte, kann gerne auch in unseren Podcast „KOFA auf dem Sofa“ reinhören. In Folge 43 sprechen wir über mentale Gesundheit in Unternehmen.

Wie können Fachkräfte im Homeoffice ausgebildet werden? Welche Kenntnisse und welches Wissen sollte Fachkräften vermittelt werden, damit diese erfolgreich im Homeoffice sind?

Selbstverantwortung und Vertrauen in die Arbeit der Mitarbeitenden sind das A und O, damit die Arbeit von Zuhause aus gelingt. Für Fachkräfte bedeutet das, arbeiten nach vorab vereinbarten klaren Zielvorgaben, einen flexiblen Handlungsspielraum und regelmäßigen Austausch mit der Führungskraft. In regelmäßigen Feedbackgesprächen sollten Ziele vereinbart werden aber auch Unterstützungsbedarfe definiert werden. Studien zeigen, dass Arbeitsmotivation und Leistung besonders hoch sind, wenn die Mitarbeitenden aufgabenbezogene Entscheidungen selbst treffen können.

Sarah Pierenkemper

Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung – KOFA

Economist Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte
www.kofa.de

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